Rheuma in jungen Jahren – Im Gespräch mit Frau Gerstner

Shownotes

Frau Gerstner ist 38 Jahre alt. Ihre Hände sind deformiert, sie kann keine Flaschen öffnen, sich nicht selbst anziehen. Nicht weil niemand hätte helfen können – sondern weil sich zwei Jahre lang niemand die Mühe gemacht hat, ihr zuzuhören. Zu jung für Rheuma, hieß es. Immer wieder. Dann: ein Anruf aus der Klinik an der Weißenburg.

Transkript anzeigen

00:00:13: Willkommen zum Podcast Krummefoten.

00:00:17: Frau Gersner, Sie sind hier in der Klinik an der Weißenburg.

00:00:21: Welche Rheumatdiagnose hat sie herverschlagen?

00:00:25: Rheuma des Arthritis.

00:00:27: Sie sind noch sehr jung.

00:00:28: wie alt sind Sie denn?

00:00:29: Achtunddreisig.

00:00:30: Sie

00:00:31: ist ein Acht und Dreisig oder

00:00:32: vor zwei Jahren gut.

00:00:34: Wie begann das denn das Rheume bei Ihnen?

00:00:37: Bei mir ging es los mit Stecheninfignern so dass dann ich bewegen konnte Und man hat nichts gesehen.

00:00:45: Man ist zum Arzt, der meinte da ist nicht wirklich was, keines ignoriert worden.

00:00:52: So nach dem Motto ja, man is ja noch jung und kann nix haben.

00:00:57: Also der Klassiker bei Rheumapazienten ist ihnen auch passiert?

00:01:00: Ja.

00:01:02: Keiner hat sie ernst genommen.

00:01:04: Sie waren zu jung für eine Erkrankung und sind einfach allein gelassen worden

00:01:11: Mehr als alleingelassen wurden.

00:01:13: Ich war das erste Mal dort, wo es dann von einem Finger zum nächsten Fingern.

00:01:17: Das ist wirklich wie ein Handelsschmerz.

00:01:20: Ich habe auch selber gedacht ob ich dumm bin und irgendwann hat sich's auf den Daumen wie fixiert so dass der dann angeschwollen worden ist.

00:01:29: und da bin ich dann wieder hin.

00:01:31: Und da hat sie gesagt nur guck mal zum Chirurgen wegen Kicht vielleicht.

00:01:35: Der meinte nie ist es nicht wurde ignoriert Es wurde immer schlimmer, immer mehr angegriffen, dann bin ich wieder hin.

00:01:46: Man guckt sich die Hand an und sagt, das sieht ja aus wie Rheuma.

00:01:49: Müssen wir mal darauf testen?

00:01:51: Und wie lange hat es gedauert bis sie diesen Satz gesagt hatte, Ärztin?

00:01:55: Halbes

00:01:55: Jahr.

00:01:55: aber bei mir war es sehr aggressiv.

00:01:57: ist Rheema also?

00:01:58: nach einem halben Jahr waren die Hände schon angefangen zu gehen.

00:02:01: von mir

00:02:03: Das heißt man hat ein halbes Jahr versäumt Weil man ihre Beschwerden nicht ernst genommen hat und sie als junge Frau nicht ernstgenommen hat.

00:02:11: Was hat das mit ihnen gemacht?

00:02:12: Was hat es bei Ihnen

00:02:12: ausgelöst?

00:02:13: Das geht noch weiter, danach habe ich eine Überweisung gekriegt zum Rheumatologen.

00:02:19: In- und Umgehärte habe ich angerufen.

00:02:23: wir nehmen keine neuen Patienten.

00:02:26: da bin ich dann ein zwei Monate gesucht im Kreis zweit Kilometer.

00:02:32: wenn wieder zu meinem Herz sind so ich finde nichts.

00:02:34: Ich habe sogar über die Hundertsechzehnte und siebzehn versucht.

00:02:38: Die meinten zu mir, ich brauche einen Vermittlungskot.

00:02:42: Ja bei Römer, wer ein Rheumatologen möchte, braucht Endringlichkeitskot?

00:02:46: Wo kriegt man den her?

00:02:47: vom Hausarzt?

00:02:49: Im Hausarz!

00:02:50: Der sagte das gibt keinen.

00:02:53: Der hat es nicht gewusst?

00:02:54: Keine Ahnung.

00:02:55: Ich hab mich mit dem Hausarzen hinterher gestritten.

00:02:57: Das ist eine Gemeinschaftspraxis.

00:03:00: Da habe ich dann noch die andere Ärzte aus der Gemeinsschaftspraxis gefragt.

00:03:03: Genau dieselbe Antwort.

00:03:05: Ich habe immer nur von meinem Hausarzt zu hören bekommen.

00:03:07: Sie müssen sich schon Rheumatologen

00:03:09: suchen.".

00:03:10: Okay, offensichtlich haben sie beim ersten Anlauf keinen Erfolg gehabt?

00:03:14: Das

00:03:14: war im Ersten.

00:03:14: Ich habe anderthalb Jahre gesucht.

00:03:18: Sie haben anderthhalb Jahre einen Rheomatologin besucht.

00:03:20: Was ist in der Zwischenzeit gegessen?

00:03:24: Nichts.

00:03:24: Ich hab

00:03:24: keine Hilfe bekommen.

00:03:25: Ich musste sogar sozusagen bei meinem Hausarz betteln, dass ich Schmerzmüssen bekomme

00:03:32: Okay.

00:03:33: Und dann haben Sie, wie haben sie denn dann den Rheumatologen gefunden?

00:03:38: Ich habe hier die Klinik ... Also ich hab mir einen Überweisung für unsere Kliniken in Gerra bekommen aber der Arzt geht im Rente also nimmt er keine mehr

00:03:47: an.

00:03:48: Da habe ich mir gesagt gut du hast ein Überweisungen in eine Klinike probierst um andere Klinien.

00:03:53: Hab dann in Chemnitz versucht auch dieselbe wir haben keine Kapazität.

00:03:58: Und habe dann von Kanten, von hier erfahren und da sagte schick mal deine Unterlagen dorthin.

00:04:04: Ich so ja verlieren kann ich nicht hab ihr her geschickt an einem Donnerstag, habe Montag einen Anruf bekommen Darauf in dieses Jahrzeiten an Termin, da habe ich so gedacht zu eins beim Monat ist so ja wann denn?

00:04:18: Ja Mittwoch oder Donnerstag?

00:04:21: und dann war es schwierig.

00:04:23: Dann war das ja meine positive Erfahrungen die sie machen durften.

00:04:26: Die

00:04:27: einzigste Wo ich hier ankam, ich konnte nix.

00:04:32: Sie konnten nichts?

00:04:33: Was heißt das?

00:04:35: Flaschen öffnen, irgendwas anheben, ausziehen ... alles.

00:04:42: Sie könnten kaum noch selbstständig leben und sind zwei Jahre eigentlich ignoriert worden.

00:04:49: In den zwei Jahren hat das Räume bei Ihnen ja was gemacht im Körper.

00:04:54: Krome Foten!

00:04:57: Und bitter Die Erfahrungen sind ja noch wirklich sehr, sehr jung.

00:05:03: Eine schöne junge Frau und jetzt sind sie aber hier bei Frau Dr.

00:05:07: Schneider und Team.

00:05:09: Erzählen Sie mal davon!

00:05:11: Ein Sechsamlotto?

00:05:13: Alles hier.

00:05:15: Also von der Behandlung die Ärzte, die Schwestern essen herzlich... Man wird als Mensch wahrgenommen.

00:05:24: Kannst du denn anders sagen?

00:05:25: Sechsmalotto für mich.

00:05:27: Für mich ist es mir, als ob die Klinik ein zweites Leben geschenkt hat.

00:05:33: Wie lange sind Sie jetzt hier?

00:05:34: Fast zwei Wochen!

00:05:36: Und Sie dürfen noch wie lange bleiben?

00:05:38: Bis Donnerstag.

00:05:39: Bis Donners Tag und können Sie ja als ambulante Patientin bleiben?

00:05:42: Ich

00:05:43: habe das Glück.

00:05:44: Das ist gutes Glück, ne?

00:05:46: Hat mich sozusagen aufgenommen.

00:05:48: Weil sie gerettet...

00:05:49: Ja, es war so glücklich so.

00:05:51: Ja, der hat die Not erkannt Finde ich großartig und für sie eine große Chance.

00:05:59: Ja?

00:05:59: Wenn er so weiter gegangen ist, um nicht zu leben.

00:06:03: Also es ist auf die Psyche ganz schön angeknackst worden in der Zeit, ne?

00:06:07: Sie hat tatsächlich so glaube ich Schmerzen, keiner glaubt einem.

00:06:12: Es wird nicht besser.

00:06:13: Man ist jetzt sich sozial wahrscheinlich, man kann viele Sachen mitmachen, wenn man völlig ur ist...

00:06:18: Ich konnte mich nicht mehr duschen, ich könnte nicht raufstehen.

00:06:21: Ich hatte für nichts mehr Kraft keine Energie, nix!

00:06:24: erst seitdem ich hier bin, dass sich wieder sagt.

00:06:27: Ich kann laufen, ich kann mich anziehen und das beste Beispiel ist das Schild was hier draußen ist.

00:06:36: Wofür sind Sie heute dankbar?

00:06:39: Relativ schmerzfreu mein Alltag machen zu können.

00:06:42: Aber die Klinik ist kein Alltag.

00:06:44: Ja Sie hat mir alles wiedergegeben, sozusagen.

00:06:48: Also wirklich Spaßmedizin oder auch, dass man jemandem zum Erzählen hat.

00:06:52: Weil man hat ja auch Patienten hier die selbe Schicksale haben.

00:06:57: Verbündete?

00:06:57: Genau!

00:06:58: Man kann sich austauschen... ...die Schwestern und die Ärzte.

00:07:01: Sie haben immer Zeit wenn man Fragen hat.

00:07:04: Es ist für mich schwer.

00:07:07: Wenn wir nicht wiederum wissen.

00:07:09: Aber irgendwann werden sie ja die Klinik verlassen.

00:07:12: Hab ich schon

00:07:12: gesagt, Sie müssen nicht raus.

00:07:16: Wie soll es danach für Sie weitergehen?

00:07:17: Was haben Sie für Pläne?

00:07:19: Bin ich noch ein bisschen ratenlos weil... Ich bin Büro und wenn die Hände nicht wollen und Büro ist etwas Ja.

00:07:29: Sind Sie der Familie gut eingebunden?

00:07:31: Ja,

00:07:32: verheiratet ganz lieben Ehemann!

00:07:35: Das ist ja auch so.

00:07:36: was wie gesagt am Lotto.

00:07:38: Ich habe mit meiner Familie ein Riesenglück.

00:07:41: also da sind sie aufgehoben,

00:07:43: ansonsten wäre es schon eher rutscht.

00:07:45: aber zwei Jahre wirklich Dauerschmerz.

00:07:49: Keiner nimmt einen Ernst, keiner hilft einem.

00:07:51: egal wo ich hin bin, ich bin gegen eine Wand gelaufen das mache keiner mit.

00:08:02: Was haben Sie für Pläne, was Ihre Psyche angeht?

00:08:05: Ich meine sie haben eben wirklich das absolute Maximum schon gesagt, was sie gemacht hätten wenn sie diese Klinik ja nicht gefunden hätte.

00:08:11: Das ist schon erschreckend.

00:08:12: sind wir sehr jung und haben ein Toilettemann und trotzdem waren es soweit.

00:08:16: Ja man führt sich als Bördel.

00:08:19: Also hat man nichts wertes.

00:08:21: Ja das kann ich mir gut vorstellen.

00:08:24: Wurden Sie auch für ihre Psyches etwas tun wollen?

00:08:27: Ich hatte jetzt mal auch hier Hilfe bekommen also erst einmal im Gespräch Und es muss halt gucken, wie das jetzt bei mir dann weitergeht.

00:08:36: Ob ich mich selber wieder fange?

00:08:38: Was ja bis jetzt sehr gut aussieht oder ob ich noch mal mehr was suche um's aufzuarbeiten und was in den zwei Jahren alles passiert ist.

00:08:47: Also im Ende war es so dass sie die richtige Diagnostik hier bekommen

00:08:52: haben.

00:08:53: Ja meine Diagnose war in der Hinsicht einfach weil man hat es auch schnell gesehen aber trotzdem

00:09:00: Das Gesundheitssystem

00:09:01: ist kaputt.

00:09:04: Das ist mein...

00:09:05: Ich glaube, das Thema ist einfach zu wenig.

00:09:08: Rheumatologen gibt?

00:09:09: Ja viel zu

00:09:10: wenig!

00:09:11: Wir

00:09:12: haben sogar über Kontakte versucht über Krankenhäuser.

00:09:16: nirgendwo kommen rein

00:09:18: Und dann fühlt man sich natürlich, die Hausärzte müssen noch viel dazulehren.

00:09:22: Internisten müssen viel dZulernen aber sie haben ja den Weg hierher gefunden.

00:09:28: was können Sie anderen Patienten empfehlen?

00:09:29: Die ähnlich ist durchgemacht oder durchmachen wie sie

00:09:32: nicht aufgeben.

00:09:34: ich hätte auch nicht gedacht dass eine Woche allein bzw schon einen Tag aus machen kann.

00:09:39: ein Tag Ich bin hier angekommen und konnte kein Oberteil aussuchen.

00:09:43: wir mussten hier geholfen dann Medikamente bekommen und als ich konnte im nächsten Tag nicht wieder ausziehen, ich konnte laufen.

00:09:50: Ich hatte wieder Energie!

00:09:52: So was ist das?

00:09:54: Dass ich wirklich einen Klaus nicht wie weit von unten sein kann.

00:09:59: Und was ein paar Tage wirklich hier ausmachen kann.

00:10:03: Einen Tag.

00:10:04: Ungelobene.

00:10:05: Mein Mann hat mich am nächsten Tag besucht.

00:10:08: Das ist so schön wichtig.

00:10:10: Er hat mir das Haus gezeigt und er sagte zu mir ja ich muss noch mal in Keller Ich so, was willst denn du im Keller?

00:10:15: Ja in den Filmen verstecken sie doch die Klone immer im Keller.

00:10:19: Das hat mich nicht wiedererkannt wie ich aufgeblüht bin.

00:10:25: Ein hoch an die Klinik und ein Hoch auf Sie dass wir den Weg ja gefunden haben, weil es die Kraft und den Optimismus nicht verloren haben obwohl sie ganz unten waren.

00:10:34: Dann befeiratet man auch für einen Mann da.

00:10:37: Und der ist ja auch für Sie da.

00:10:39: Also ist das ja eine Situation.

00:10:41: Genau!

00:10:43: Ich wünsche Ihnen alles gut, aber so wie ich das sehr mache ich mir gar keine Sorgen.

00:10:49: Sie haben das ganze Leben noch Vorsicht, werden sich einen Weg finden mit dieser chronischen Erkrankung umzugehen.

00:10:56: Es gibt ja keine Alternative und ich wünsch Ihnen dafür alles Gute und danke Ihnen für Ihre Offenheit!

00:11:02: Dankeschön.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.